Montag, 14. März 2016

Romano – Jenseits von Köpenick Tour 2016 – 11ter März @ Centralstation, Darmstadt



Ja ich war da! – Romano dürfte spätestens seit seinem Auftritten bei Circus Halli Galli und der Hintergrundmusik der Programmvorschau bei Pro7 offensiv aus dem obskursten Untergrund herausgesprungen sein, sich im Gegenteil sogar schon in einer mehr als fragwürdigen Liste an Interpreten auf dem „Après Ski-Hits 2016“-Sampler einreihen.

Dabei war sein erstes Auftauchen in letzter Zeit von Anfang an schon provokanter Natur, rapte er doch in seinem Lied „Metalkutte“ über seine Lieblingsbands, was für engstirnige Echtstahlkämpfer sicherlich schon ein Affront an und für sich war. Dennoch blitzte da schon durch, dass dies nicht nur vages Namedropping war, sondern sich Romano durchaus mit der Materie auszukennen scheint. Komplettiert wurde das Ganze mit zwei Zöpfen links und rechts am Kopf und schon schuf sich wie aus dem Nichts die Kultfigur von alleine.

Zieht man jetzt noch seine Vergangenheit hinzu, welche von Rap über Drum’n’Base bis hin zum Schlager reicht, wird sehr schnell klar, dass die Schublade in die man ihn gerne stecken möchte, sicherlich erst noch gebaut werden muss. In Interviews gab er unter anderem auch noch bekannt, gerne Ballett zu machen und wirkte zwar symphytisch, gleichfalls aber auch ungemein glatt – „alles schöne Menschen“, „ich will nur spielen“ usw. – wer paar Interviews gesehen hat weiß was ich meine. Das muss man definitiv mögen und über allem schwebt die Frage, meint der das ernst, spielt er nur eine Rolle?

Das und noch viel mehr galt es zu eruieren und die wichtigste Frage vorab war, wer wird denn so alles auf diesem Konzert sein? Metalfans? Ja auch, Rapfans, sicherlich ebenso. Viele Studenten und ebenso ein paar abgedrehte Hipster und Teilzeithippies. Die Zuschauerschar war definitiv extrem bunt, friedlich und harmonisch. Die meisten wollten einfach Spaß haben und waren sicherlich ebenso gespannt was sie alles erwartet, manch Zuschauerinnen kamen aus dem permanenten Lachen und Kichern gar nicht mehr raus.

Einlass war gegen 21 Uhr, Beginn sollte um 22 Uhr sein, den Support gestaltete DJ Leo Yamane. Kurz nach zehn schlug ich dann ebenfalls auf, nachdem ich mir auf den Weg dorthin schnell behelfsmäßig noch ein paar Burger und eine Dose lauwarmen Jacky-Cola in den Magen schaufelte um in mehrerer Hinsicht auf Nummer sicher zu gehen.

Der DJ spielte schon und legte einen sicherlich nicht schlecht gemachten, aber auch nicht sonderlich extravaganten Mix auf, zwei Lieder meinte ich erkannt zu haben. Unter anderem die Antilopen Gang mit „Beate Zschäpe hört U2“ während ich mich zum zweiten Mal - die erste Bar links vorne hatte nur Flaschen zum Verkauf - scharf rechts an der viel zu langen Schlange der zweiten Bar anstellte. Normalerweise ist diese hinten rechts, da heuer der Raum aber mit einem Vorhang halbiert wurde, befand sie sich direkt dahinter, was nur den Nachteil barg, dass man während man ansteht, auch nichts von der Bühne sehen kann.
Inklusive Toilettengang stand ich also eine geschlagene dreiviertel Stunde an für einen kleinen Becher Äppler und verpasste somit gleich den Anfang.

 

Die Stimmung war augenblicklich gut, nur gefiel mir mein Platz am Rande nicht sonderlich, sodass ich ihn bei der nächsten Gelegenheit (WC, erneutes Anstehen an der Bar ohne Sicht auf die Bühne – natürlich wurde ausgerechnet da „Metalkutte“ gespielt) wechselte.

Insgesamt fällt es schwer das Treiben auf der Bühne auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Wir haben zum einen, einen gut gelaunten Derwisch auf der Bühne der mal spaßig-unterhaltsame Partylieder, dann wieder welche mit durchaus kritischem Einschlag zwischen den Tönen, ohne aber zu ernsthaft zu wirken, darbietet. Zu viel Tiefgang schimmert bei aller Liebe aber leider nicht durch, vor allem die Reime sind extrem plump und aus der Kategorie „Zweckreimmassaker“, was aber mit unorthodoxen, prägnanten Beats mit einem stark elektronischen Einschlag kompensiert werden kann. Der Refrain/Hook entpuppt sich dabei in der Regel als absoluter Ohrwurm und umschifft dabei schmeichelnd sowohl Pop, als auch hie und da den Schlager. Überraschend geht diese Mixtur aber durchgängig auf und schafft es, je nach Thema durchaus auch eine andere, passende Stimmung zu vermitteln. Auch optisch passt sich Romano via Kleidungswahl dem Song an.

Er interagiert gekonnt mit dem Publikum und bittet eine Julia bei seinem Lied „Romano und Julia“ auf die Bühne, weiß also auch durch seine Ansagen zu unterhalten, wenngleich er durchaus auch mal unfreiwillig komisch wird, wenn er die Altstadt von Darmstadt lobt, durch welche er am Mittag angeblich spaziert ist. Die komplett vom Krieg zerstörte Innenstadt kann er also mal nicht gemeint haben, aber analog zu seiner Was-ist-schön-Gegenfrage im 1Live Fragenhagel, kann man dies sicherlich auch umformulieren: Was ist alt?

Das ganze WÄRE also ein durchaus unterhaltsamer und kurzweiliger Abend gewesen, hätte die Betonung auch mehr auf weil statt kurz gelegen. Nach gerade mal lachhaften 45 Minuten (!) verschwand der Künstler schon von der Bühne und ließ sich via Zugaberufen auf gnädige 60 Minuten blicken. Das ist wirklich nicht viel… !

Klar hat er erst ein Album veröffentlicht, davon aber mit Ach und Krach auch nur die Hälfte davon performt, zwar zwei neue Songs (die Ode an Mutti erhärtete die Indizien nur nochmals: er sieht aus wie Putin, reitet gerne, hat Muskeln und die Mutter und sicher auch er, spricht fließend russisch!!!) der Setlist hinzugefügt, aber er hätte durchaus mehr zu bieten. Sei es seiner Schlagerphase, kurz riss er hiervon einen Song für ein paar Sekunden an – oder viel mehr auch als er noch unter Cornerboy produzierte.
Lustiger, oder eher trauriger Weise wurde sein Song mit Siriusmo (ich hab meine Hausaufgaben gemacht!) sogar direkt nach dem letzten, gespielten Song vom Band abgespielt, dann war die Musik auch schnell ganz aus und die Security bat die Fläche vor der Bühne langsam zu räumen. Freitagabend um Viertel vor Zwölf?!

Auf der Facebookseite stand zwar etwas von einer Aftershowparty ab Zwölf Uhr, aber die meisten Menschen waren doch schon längst gegangen bis dahin, mich eingeschlossen. Der kurze Blick in die Krone, Kommerzdisko… äh ne, danke, dann doch nicht ließ mich weitaus schneller daheim angekommen als geplant oder vorgestellt.

Abschließend gesagt war ich wirklich enttäuscht. Klar 17,90 Euro sind nicht die Welt, aber auch nicht nichts, dafür eine dreiviertel-Stunde einem DJ zuhören um den Hauptakt und gleichzeitig einzigen wirklichen Akt nur eine Stunde zu sehen? War für mich viel zu kurz und auch viel zu wenig extravakant. Allein bei dem oben mit eingebundenen Tourtrailer für die „Klaps auf den Po“ Tour im Vorjahr hatte ich eine surreale, abgefahrene Darstellung erwartet, derer nichts gerecht wurde.

Musikalisch unterhaltsam, aber leider auch nicht langfristig. Ich weiß ja auch nicht, aber geil wäre mehr gewesen, oder andersrum…

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