Dienstag, 12. Februar 2013

Falling Leaves - Chapter VIII – 01ter Februar 2013 @ Goldene Krone Darmstadt



Zweieinhalb Monatiger Konzertentzug, die Folgen existenziell – kann ich noch? Natürlich kann ich noch, die Bedingungen nur ein klein wenig anders. Vorfreude war natürlich extrem, dem allabendlichen Trott endlich mal wieder entkommen.

Die erste vermisste Überraschung: Die Differenz zwischen angekündigter Startzeit und tatsächlicher Startzeit. Die Daten auf der Homepage sind nicht immer wirklich verbindlich, einige Male war ein Konzert schon längst im Gang oder fing wesentlich später an. Diesmal eine Verspätung, Begründung: eine kurzfristige Bandabsage. Auch nicht ganz neu…

Kurz vor 22 Uhr erst der Beginn. The Dullahans starteten den Abend. Irischer Folk Rock: klassisch mit Geige, Akkordeon, Flöte, Bass und einer eher akustisch anmutenden Gitarre. Dazu statt einem Schlagzeug ein Cajon. Ein betrommelbarer Hocker, nur ein wenig professioneller. Dazu ein Sänger in feucht-fröhlichem Singsang, phasenweise noch durch Backingvocals unterstützt. Stilistisch nicht wirklich meine Musik, aber tatsächlich nicht schlecht dargebracht. Thematisch nur etwas schwer beschränkt auf alkoholische Getränke, Exzesse und Frauen. Auch musikalisch nicht unbedingt repetitiv, aber ein sich oft sehr ähnelnder Grundtenor. Fand ich persönlich leider etwas schade, denn als man sich einmal auf anderes Terrain wagte – winkte vor allem im Chor sachte die Epik. In meinen Augen durchaus Potential daraus mehr zu machen, statt alle möglichen Kneipenlieder abzuarbeiten. Bei diesem Auftritt aber doch zu wenig ausgenutzt.

Es folgte eine etwas längere Pause, der Soundcheck ließ aber aufhorchen. Der Drummer schien zu taugen. Dann kamen Ibn Ghalad, eine durchaus sympathische Gruppe welche sich mit dem Publikum einige Frotzelein lieferte. „Wie heißt ihr?“ war eine permanent gestellte Frage, vor allem direkt nach einem „Wir sind Ibn Ghaled“ – Dennoch lichtete sich dieses bereits, was recht schade war, zumal die Krone wieder einmal einen ihrer leeren Momente hatte. Dass der Altersdurchschnitt doch recht hoch war, verwunderte mich ein wenig. Vom Auftritt her hätte ich durchaus Lust gehabt, ein wenig zu bangen. Ich fand aber fast durchgehend keinen Zugang. Gegen Ende einiger Lieder wechselte der Sänger erfreulicherweise ab und an in den Growlgesang, mit der klaren Darbietung hatte ich in Bezug auf Rhythmik und Betonung doch ein klein wenig meine Probleme. Ich hätte mir auch sehr oft gewünscht, dass das Gaspedal auch mal durchgedrückt wird und mal eine längere Zeit der Sound voll vorne raus geht. Es gab zig Momente, indem die Lieder nach einem vielversprechenden Aufheulen sofort wieder auf die Bremse traten oder ausrollen ließen. So gewinnt man leider auch keine Rennen, um die Metapher jetzt konsequent bis zum Ende durchzuprügeln. Weniger anschieben lassen sondern mal richtig ausfahren, so blieb man leider deutlich hinter seinen Möglichkeiten.

Der Tag war fast schon vorbei als Resomus die Bühne betraten, vor der Bühne inzwischen auch ein sehr trostloses Bild. Im Verlauf noch maximal 14 Zuschauer, dabei kam die Band extra von weit her. Warum man, wenn ein Slot durch eine Absage frei wird – alles so spät nach hinten verlegen muss, damit niemand mehr da ist bleibt mir ein Rätsel. Zumal auch dies kein neues Phänomen in der Krone ist. Musikalisch wurde Deutschrock gespielt, eine Musikrichtung gegen die ich eigentlich extreme Aversionen hege. Ein Fan dieses Genres werde ich nach dem Auftritt sicherlich auch nicht, wenngleich man sich recht achtbar aus der Affäre zog und nicht den primitivsten Sound hatte. Die Gitarren kamen sogar angenehm tief drückend von unten, Text soweit auch frei von übertriebenen Peinlichkeiten und mit vereinzelten Screams hatte ich sogar meine Freude.

Zusammengefasst. Der Abend war nicht wirklich schlecht, aber weder stimmungstechnisch noch von den Auftritten überragend. Alle Bands waren soweit okay, muss ich aber nicht zwingend noch mal sehen. Verdient hätte vor allem die letzte Band dennoch mehr Zuschauer. Trotzdem war es kein Fehler. Ich hab gemerkt, dass ich mich zwischendrin einfach noch hinsetzen muss und definitiv noch nicht Vollgas geben kann und sollte – aber die Kondition bau ich mir sicherlich wieder auf. Und es war endlich mal wieder Musik, live und laut. Das war eigentlich schon das Ziel des Abends.

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