Mittwoch, 23. Mai 2012

Incomparable Tour 2012 – 22. Mai @ Mühltal Steinbruch


Und weiter geht’s. Es hätte sicherlich zigtausend vernünftige Argumente gegeben, den letzten freien Tag sinnvoll zu nutzen (aufräumen, lernen, ausschlafen etc. pp.) aber ich wollte unbedingt auf ein Konzert! Und so schnürte ich auch diesmal meine Stiefel und bereitete mich auf einen neuen abenteuerlichen Abend vor.

Da ich im Bus aufgrund meines pösen Marduk Shirts angesprochen und auf ein Bier bei der Tanke um die Ecke eingeladen wurde, verzögerte sich mein planmäßiges Eintreffen um fast anderthalb Stunden, sodass die erste Band schon gefrühstückt war. (Texas Cornflakes Massacre) Die Band müsste ich aber schon frisch nach dem Umzug gesehen haben. Wie die waren keine Ahnung (mehr), aber egal. Weiter geht’s…

Sapiency standen nämlich schon auf der Bühne und ballerten ihr Zeug druckvoll durch den Raum. Growls waren sehr schön kräftig, Clean Vocals bis auf ein paar wenige, weniger gelungene Parts auch in Ordnung. Die Bühnenperformance war überzeugend, die Songs griffig und das ganze heizte schon ein wenig an. Arg viel haben sie aber nicht mehr gespielt.

Zwischendrin erneut einen Kulturschock unter die Nase gerieben bekommen. Bier in 0,3er- Gläser! Wtf?! Was ist das? Wenn ich ein „kleines“ Bier will, bestell ich ne Halbe, aber das versteht da oben eh keiner. 2,50€ fand ich dafür nicht ganz ohne und übertrifft sogar Batchkapp Preise! Daher musste ein Weizen her, das wird wenigstens in akzeptierten Messgrößen verkauft und ist für den weiteren Verlauf wichtig! *g*

Denn dann traten Beyond All Recognition in optimistischer Banduniform auf. (Ihr werdet darin schwitzen wie Schweine *hehe*) Das G
anze klang interessant, Hardcore mit starken elektronischen Einflüssen. Logische Genreneuerfindung: Dubcore. Ich bin nicht wirklich ein Freund der Hardcoreszene und Musik, war deshalb wohl so was von fehl am Platz, aber ich mag zwischendurch so „ausgefallene“ Sachen und liebäugelte in der Vergangenheit schon das ein oder andere male mit Trance Metal. Die Band schien ab und an sogar Skrillex zu featuren, das klang diesbezüglich dessen Liedern sehr, sehr ähnlich.
Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass die Band irgendetwas großartig neu erfunden hätte, die Breakdowns waren vorhersehbar wie sich öffnende Regenschirme bei Regen, da aber auf progressive, chaotische oder sonstige unberechenbare Songstrukturen gänzlich verzichtet wurde, ließ sich dazu sogar überraschend gut bangen. Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß und tobte mich in choreographischen Ganzkörperbewegungen aus. Flotte Tanzschritte kombiniert mit stereotypischen Breakdownbewegungen und aggressiver Nackenpenetration. Warum nicht? Solang es mich nicht legt und irgendwie Stimmung erzeugt, denn mal ganz ehrlich: Was war da vor der Bühne los?

So ein Weichspülerpuplikum hab ich selten erlebt! Die ersten 3 Reihen – mich ausgenommen – beinahe stoische Ruhe und Bewegungshemmungen, geschlechtergemischte Rudelbildung und viertelstündige Fotoshootingseassons. Ich mein was zur Hölle? Ich stell mich doch nicht gaaaaanz vorne rein während die Band spielt um Fotos, nein nicht von der Band, sondern von der eigenen Gruppe in allen nur erdenklichen Formationen und Kombinationsmöglichkeiten zu schießen. Auch auf Bandansagen wie „Let’s drink some beer together. Who has a beer in his hand?“ – Null, wirklich NULL (0) Reaktionen! “Come on. I thought we play in Germany?!” Da konnte ich nicht anders als das einzige Gerstengetränk in einem gefühlten Radius von zig Kilometern stolz in die Höhe heben.

Auch Animationen die darauf abzielten, das Publikum näher zur Bühne zu locken schlugen grundsätzlich fehl und mir konnte die Band echt leid tun. Da mir das ganze musikalisch und stimmungstechnisch an dem Abend wunderbar rein lief, märtyrerte ich mich absolut uneigennützig weiter.


Bei Engel welche ebenso eine irre Show abrissen, dass selbe Trauerspiel in Grün. Untertrieben unterkühlte Begeisterung und eine Lust auf das Konzert nahe dem Gefrierpunkt. So was muss nicht sein und gefiel den Bands nicht wirklich. So kam seitens Vokalist mehrmals die Empfehlung die Bar zu besuchen beziehungsweise eine freundliche Beschwerde bezüglich des leisen Applauses. Musikalisch klangen Engel wie Melodeath mit einem diesem Abend thematischen, elektronischen Einschlag und deutlich kräftiger und intensiver, als in den Youtube Videos welche ich mir den Tag zuvor kurz zu Gemüte geführt hatte. War wesentlich besser als erwartet. Und irgendwann, gab es endlich etwas Bewegung und den ersten kleinen Moshpit.
Und diesmal war ich dabei, da mehrere Faktoren dafür sprachen. a) keine Karatekiddies und sonstige Assis b) kein chronischer Gewichts- und Massennachteil und c) eine insgesamt angenehme Atmosphäre. Es ist ein Unterschied ob man absichtlich grob verletzt wird oder man theoretisch gefangen wird. War daher ein erfreuliches Erlebnis und zeigte mir immerhin, dass das Publikum teilweise schon könnte, wenn es wollen würde…
Das ganze ebbte noch ein paar mal auf und ab, die Stimmung war die letzten 3 Songs dann auch endlich da und das ganze gipfelte in Synchronhüpferei wobei ich mich lebensmüde noch in Haarrotationen in der Luft übte. Aber war geil!

Zum Abkühlen und angesichts der Tatsache, eines bevorstehenden, schriftlichen Tests in wenigen Stunden stieg ich auf Cola um, um mich erneut zu ärgern. 0,3l Cola für 3€?! Antialkoholische Getränke sollten meiner Meinung nach auf jeden Fall billiger sein als Alkohol und nicht so maßlos überteuert sein. Aber gut, das werde ich mir auch nicht mehr bestellen.

Blieb noch eine Band, Dead by April und Headliner des Abends. Urplötzlich kamen zig Leute aus ihren Verstecken gekrochen und legten der endlich gereiften Stimmung noch einiges dazu. Und das war absolut unverdient! Ich fand die Band einfach nur mies. Die Growls/Screams als unklar zu bezeichnen klingt vielleicht irreführend, verwaschen wäre der beste Eindruck. Im Vergleich zu den vorigen Bands ein deutlicher Abfall in Sachen Qualität, dazu ein absolut seichtes bis belangloses Songwriting das dem sprichwörtlichen Kitsch mehr als nur einmal nahe kam. Selbst die elektronischen Elemente wirkten selten fördernd, sondern verloren sich oft irgendwo in dem ganzen Gedudel. Diesem gehypten und warum auch immer nun so gefeierten, zahnlosen Zeug wollte ich nicht weiter Tribut zollen, daher verließ ich den Abend nach wenigen Liedern und zog heimwärts.

Was bleibt übrig? Zwar konnten die zwei Topbands und ein weiterer guter Akt die teuren Preise und das lahme Publikum zwar nicht wett machen, aber doch gut kaschieren. Länger hätte ich die Feierei eh nicht mehr gepackt, sonst hätte ich heute die Arbeit auch besser mit der Stirn als mit der Hand geschrieben, sum sumarum: Ein nicht gerade billiger Abend den ich mit wirklich keinen Erwartungen anging und so ziemlich das Maximalste an Spaß und Unterhaltung abgewinnen konnte. Gefiel mir doch irgendwie.

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